| Amaro Hogräfer: Diskussionsbeitrag zum Vortrag von Dr. Markus Hansen „Was passiert eigentlich im Hüftgelenk / Becken bei einer Dorn-Behandlung?“ |
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Diskussionsbeitrag zum Vortrag von Dr. Markus Hansen „Was passiert eigentlich im Hüftgelenk / Becken bei einer Dorn-Behandlung?“von Amaro Hogräfer, HP Die Untersuchungen, die Dr. Hansen mithilfe der Kernspin-Tomografie durchgeführt hat, sind von unschätzbarem Wert für alle Dorn-Therapeuten und -Ausbilder. Diskussionsbedürftig ist meiner Meinung nach, dass das bisherige Modell der Subluxation und anschließenden Reponierung des Hüftgelenks nach den Erkenntnissen von Dr. Hansen wohl nicht mehr aufrecht erhalten werden kann. Die Situation erinnert an ein Zitat von Thomas Henry Huxley: „Die Tragödie der Wissenschaft – das Erschlagen einer schönen Hypothese durch eine hässliche Tatsache.“ Wir befinden uns damit in einer neuen Phase der Arbeit. Wir wissen nach wie vor, dass die Dorn-Methode funktioniert. Die Wirksamkeit der Technik steht nicht zur Diskussion. Der Ablauf einer Sitzung bleibt unverändert. Wie genau die Methode funktioniert, ist nun nicht mehr so klar. Dorn-Therapeuten und Dorn-Ausbilder sind aufgerufen, ein Erklärungsmodell zu erarbeiten, welches den neuen Erkenntnissen entspricht. Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Funktionsweise eines Verfahrens nicht bekannt ist, und gleichzeitig die Wirksamkeit der Methode nicht bezweifelt wird. Zum Beispiel ist Aspirin Jahrzehnte lang benutzt worden, ohne dass der genaue Mechanismus der Wirkungsweise geklärt war. Die Dorn-Methode ist dynamisch. Sie entwickelt sich.
Die Ergebnisse der Untersuchung von Dr. Hansen werden Auswirkungen haben auf die Art und Weise, wie die Dorn-Methode in Zukunft unterrichtet und ausgeübt wird. Mit den folgenden Fragen möchte ich helfen, die Diskussion zu strukturieren:
1. Welche Veränderungen ergeben sich aus den neuen Erkenntnissen für den Dorn-Ausbilder?
Zum jetzigen Zeitpunkt scheint es mir sinnvoll, den Teilnehmern eines Kurses das alte Erklärungsmodell zusammen mit den neuesten Ergebnissen der Forschung zu präsentieren. Die angehenden Dorn-Therapeuten lernen eine wirksame Technik bzw. Selbsthilfeübung. Sie lernen weiterhin, das Verständnis einer Methode als Prozess zu begreifen. Es ist somit wichtig, dass Dorn-Ausbilder immer auf dem letzten Stand der Forschung sind. Die Seite des Forschungskreises www.dornmethode.info ist dafür die ideale Informationsquelle.
2. Wie beeinflussen die neuen Erkenntnisse die Arbeit des Dorn-Therapeuten?
a. Veränderung der IntentionJeder Therapeut hat bei der Anwendung seiner Arbeit eine Vorstellung davon, wie seine Technik wirkt, und was er erreichen will. Ich glaube, dass die Art und Weise wie wir uns geistig im Bezug auf unsere Technik einstellen, einen wesentlichen Einfluss auf die Wirksamkeit der Technik hat. Ich nehme an, dass die so genannte "Intention" tatsächlich ein Bestandteil der Technik ist und von ihr gar nicht getrennt werden kann. (Zu gegebener Zeit wäre es interessant zu erfragen, welches innere Bild sich besonders erfolgreiche Dorn-Therapeuten während der Arbeit von ihren Griffen machen.) Meiner Meinung nach ist der Erfolg unserer Technik zu einem großen Teil von der Klarheit unserer Intention abhängt. Das genaue Wissen darum, wie unsere Anwendungen funktionieren, beeinflusst die Qualität unserer Berührung. Ein Griff, der von einer klaren Intention geleitet ist, wird vom Körper des Patienten besser angenommen werden, als der gleiche Griff, dem eine fehlerhafte Vorstellung seiner Wirkungsweise zugrunde liegt. Je präziser also unsere Vorstellung davon ist, wie unsere Technik funktioniert, desto besser wird ihre Wirkung sein. Nach den neuen Erkenntnissen von Dr. Hansen wird der Dorn-Therapeut das geistige Modell, welches er während der Arbeit von der Wirkungsweise der „Hüftgelenkskorrektur“ hat, verändern müssen. Die Diskussion darüber, welches geistige Bild der neuen Sachlage am besten entspricht, verspricht interessant zu werden.
b. Veränderung der Informationsvermittlung an den PatientenDr. Hansen hat in seinem Vortrag den Konflikt beschrieben, der sich aus seiner Forschung im Kontakt mit seinen Patienten ergeben hat. Soll man den Patienten eine Erklärung anbieten, die in der Vergangenheit funktioniert hat - von der man aber nun weiß, dass sie unrichtig ist? Für diese Möglichkeit hat sich Dr. Hansen entschieden, und dies ist sicher eine sinnvolle Zwischenlösung. Meiner Ansicht sollte es ein langfristiges Ziel sein, dem Patienten eine Darstellung der Arbeit zu vermitteln, welches mit unserem Verständnis von ihrer Wirkungsweise übereinstimmt.
3. Wie funktioniert die "Hüftgelenkskorrektur"?
Möglicherweise wird die Position der gesamten Beckenschaufel verändert. Diese wird in ihrer Beziehung zur anderen Beckenschaufel so ausgerichtet, dass beide Seiten auf gleicher Höhe stehen. Wenn diese Annahme stimmt, würden die nach Anwendung der Technik ausgeglichenen Beinlängen auf den Ausgleich eines Beckenschiefstandes hinweisen. Durch die Korrektur des Beckens wird die Basis des Kreuzbeins horizontal gestellt. Aus dieser Korrektur der Kreuzbeinstellung ergeben sich zwei wichtige Veränderungen im Bereich der Wirbelsäule.
a. S1 – L5Die horizontale Position der Kreuzbeinbasis bringt Ordnung in den häufig problematischen Übergang zwischen Kreuzbein (S1) und dem fünften Lendenwirbel (L5). Die Biomechanik verbessert sich, weil die Gelenkflächen in ihrer natürlichen Position aufeinander stehen; die Bandscheibe zwischen S1 und L5 wird nicht mehr ungleichmäßig belastet.
b. UnterstützungDas Kreuzbein ist die Basis, das Fundament der Wirbelsäule. Bei einer Fehlstellung des Kreuzbeins wird die Wirbelsäule nicht optimal unterstützt. Zum Ausgleich für die fehlende Unterstützung wird sich der Rücken selbstständig stabilisieren. Dies geschieht durch chronische Anspannung der Muskulatur. Daraus können sich Fehlstellungen der Wirbelsäule und die Blockierung einzelner Wirbel ergeben. Nach einer Verbesserung der Unterstützung durch die Ausrichtung des Beckens bzw. des Kreuzbeins, kann sich der Rücken entspannen und neu organisieren. Möglicherweise ist also die "Hüftgelenkskorrektur" deshalb für Rückenschmerzpatienten so wirksam, weil sie über die Korrektur der Beckenstellung das Kreuzbein zentriert. Damit wird die Beziehung von S1 und L 5 reguliert und eine solide Basis für die Wirbelsäule geschaffen. Lässt sich diese Hypothese in der Praxis bestätigen, wäre dies ein einfaches Modell, das auch dem Patienten gut vermittelt werden könnte. Dem Patienten könnte erklärt werden, dass mit der Technik bzw. Selbsthilfeübung ein Beckenschiefstand reguliert wird.
Amaro Hogräfer, HP |



